Schwarzers Kosmos
Filmporträt
Schwarzers Kosmos (Dokumentarfilm, Deutschland 2026, 94 Minuten) ist ein Porträt des Künstlers Bernd Schwarzer, das Regisseur Klaus Martens in fünf Jahren Dreharbeiten begleitete. Der Film zeigt einen Mann, der sich als Einzelkämpfer versteht und zugleich auf ein monumentales Europawerk hinarbeitet. Martens lässt neben dem Künstler auch Sammler, Kuratoren und Unterstützer zu Wort kommen und zeichnet ein ambivalentes Bild von Ambition, Erschöpfung und künstlerischem Anspruch.
Der Künstler
Bernd Schwarzer, 1954 in Weimar geboren und 1959 nach Düsseldorf gezogen, studierte ab 1978 an der Kunstakademie Düsseldorf; sein bekanntester Lehrer war Joseph Beuys. Im Zentrum seines Schaffens steht die Überwindung der deutschen Teilung und der Einsatz für ein geeintes Europa. Sein Werk umfasst abstrakte Gemälde und Skulpturen in Blau, Gelb, Rot und Schwarz; einzelne Bilder benötigten laut Film bis zu zehn Jahre Arbeitszeit, ein „Symbolbild des friedlichen Europas“ verschlang dem Künstler zufolge Farbe für 20.000 DM.
Kontroversen und Finanzprobleme
Der Film dokumentiert auch Widersprüche: Unterstützer wie Ex-Finanzminister Christian Lindner loben Schwarzer als „exzentrische Persönlichkeit“ und „erfrischend anders“, während Kritiker seine Position in der Szene infrage stellen. Jörg Immendorff wird mit den Worten zitiert, „Schwarzer spiele nicht in der höchsten Liga“ und sein Agieren sei „zu zerstörerisch“.
Während der Dreharbeiten mussten nach und nach vier Ateliers (insgesamt 5.000 Quadratmeter) geschlossen werden. In einem Treffen im Osthaus-Museum Hagen mit einem Insolvenzverwalter machen sich Finanzprobleme bemerkbar; Museumsdirektor Tayfun Belgin spricht von einem „strukturellen Problem“ und nennt monatliche Aufwendungen von 50.000 Euro. Der russische Verleger Josef Kiblitsky kritisiert scharf: „Du hast keine Chance in der europäischen Kunstszene. Ein wichtiger Künstler verkauft keinen Kitsch“, und bemängelt das Bedürfnis nach einem „ganzen Imperium“ statt weniger Assistenten.
Am Ende räumt Schwarzer sein letztes Atelier und gesteht, den Überblick verloren zu haben. Martens’ Film bleibt ein schonungsloses Porträt eines Künstlers zwischen Anspruch, Öffentlichkeit und ökonomischer Realität.
Quelle: Filmdienst
