Spaziergang nach Syrakus (2026)
Filmdaten und Ausgangslage
Spaziergang nach Syrakus ist ein Drama aus Deutschland (2026) von Lars Jessen, 97 Minuten lang. Die Handlung spielt in den frühen 1980er-Jahren und begleitet Paul Gompitz (Charly Hübner), einen Kellner auf einem Schiff der Weißen Flotte zwischen Rügen und Hiddensee, dessen Sehnsucht nach Italien zur jahrelangen Vorbereitung einer Ausreise aus der DDR wird. Paul erzählt die Geschichte rückblickend aus dem Jahr 2006, in den Wochen des „Sommermärchens“.
Handlung und Figuren
Paul, dem ein Studium verwehrt blieb, träumt von einer „Bildungsreise“ nach Sizilien. Seine Frau Anne (Lina Beckmann) ist Ärztin; Paul versucht, sie, Freunde und Kollegen vor Mitwisserschaft zu schützen und lernt ein uneigentliches Sprechen. Er organisiert Segelunterricht bei Günter (Thorsten Merten), wechselt Jobs auf Rügen und Hiddensee und plant schließlich die Überfahrt übers Wasser. Nach sechs Jahren Vorbereitungszeit gelingt die Fahrt nach Dänemark, wo ihn dänische Grenzer freundlich empfangen. Kurz darauf reist er weiter, besucht Verwandte in Bochum und sucht die Ständige Vertretung der DDR auf, um seine Ausreise zu erklären.
Inszenierung, Themen und Schluss
Der Film beginnt mit Bildern aus Italien und einer italienischen Szene: „Raccontami la tua historia, Paolo!“ – „Erzähl von deinem kleinen Deutschland!“ Jessen greift Motive aus F.C. Delius’ Erzählung (1995) auf, die ihrerseits auf Johann Gottfried Seumes Reisebericht (1803) Bezug nimmt; bei Seume wirken die italienischen Verhältnisse chaotisch. Kritisch hervorgehoben wird das Bildungsbürgertum des Protagonisten und die reduzierte Spannung; die Flucht wirkt unspektakulär, die Reise in Italien bleibt oft touristisch und einsam. Am Ende erreicht Paul zwar Syrakus und echten Parmesan, doch der Mauerfall setzt seiner „Bildungsreise“ einen ambivalenten Abschluss.
Quelle: Filmdienst
