Sonnenstadt

Sonnenstadt: Langzeitdoku über eine sibirische Gemeinschaft

Sonnenstadt ist ein deutscher Dokumentarfilm (2024, 109 Minuten) von Kristina Shtubert. Die Regisseurin hat die abgeschiedene Enklave in der sibirischen Taiga zwischen 2013 und 2022 fünfmal besucht und begleitet dort Anhänger der „Kirche des letzten Testaments“. Gegründet wurde die Gemeinschaft Anfang der 1990er Jahre von Sergei Torop, der sich seitdem Wissarion nennt und sich als wiedergekehrter Christus versteht.

Menschen im Mittelpunkt

  • Die Kamera richtet den Blick auf Alltagsleben und persönliche Schicksale: die betagte Bauingenieurin Anna, die ihre Bücher des „Letzten Testaments“ präsentiert.
  • Christina, eine deutsche Aussteigerin, die mit dem deutlich älteren Grinja zwei Kinder hat und sich im Verlauf der Dreharbeiten verändert.
  • Männer wie Oleg und Vitalik, die innerhalb der Gemeinschaft eher geduldet werden, sowie Einheimische wie Volodja und Vadim, die außen stehen und zugleich Bewunderung für den Zusammenhalt zeigen.
  • Auch Kinder wie Rubina und Dima begleiten die Beobachtungen vom Kind bis ins Jugendalter.

Rückschläge, Verbot und filmische Perspektive

Die Doku zeigt wöchentliche Gesänge und Gebete in der sogenannten „Sonnenstadt“, Auftritte von Wissarion vor einer großen Engelsfigur und die allgegenwärtigen Bildnisse des „Lehrers“. Im September 2020 stürmten bewaffnete Sicherheitskräfte die Siedlung und verhafteten Wissarion; ihm und zwei engen Mitarbeitern werden finanzielle Ausbeutung und psychischer Missbrauch vorgeworfen. 2023 wurde die Gemeinschaft in Russland verboten. Seither beschreibt eine Beteiligte die Lage als eine „Zeit des Abwartens“, das Vertrauen ist erschüttert, und an einem Dorf am Bergfuß errichtet die orthodoxe Kirche ein neues Gotteshaus.

Die Filmemacherinnen – darunter Kameraarbeit von Hanna Mayser – arbeiten sehr nah an ihren Protagonisten; der Film bietet intensive Einblicke, liefert aber keine systematische Darstellung der religiösen Lehre oder Organisationsstruktur, die separat recherchiert werden müssten.


Quelle: Filmdienst

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