Primetime
Primetime — ein Film über Öffentlichkeit und Inszenierung
Der medienkritische Thriller Primetime von Lance Oppenheim verknüpft die Geschichte der US-Reality-Sendung To Catch a Predator mit dem persönlichen Zerfall ihres bekanntesten Moderators. In der Darstellung von Robert Pattinson wird Chris Hansen zum Mann der kalten Theatralik: Er stellt in der Sendung erwachsene Männer bloß, die sich online mit Minderjährigen verabredet haben. Die Serie lief von 2004 bis 2007 und lebt in Oppenheims Film vom Moment der öffentlichen Demütigung, den Hansen sadistisch auskostet.
Figuren und Darbietungen
Gegenüber Hansen steht der junge Dan (Skyler Gisondo), ein unerfahrener Lockvogel, der sich an die Konfrontation mit realem Missbrauch erst gewöhnen muss. Matthew Maher spielt einen Chat-Profi, der die Kontakte mobilisiert, und Merritt Wever ist als Produzentin Andie zu sehen, deren säuselnde Art ein Spannungsverhältnis zwischen Gesagtem und Gemeintem offenbart. Oppenheim zeichnet Hansen als zunehmend in seine eigene Welt Abdriftenden, der sich selbst als moralischen Hüter stilisiert und dabei von Kontrollsucht und Selbstüberhöhung getrieben wird.
Ästhetik und Kritik
Der Film nutzt eine eigenwillige Bildästhetik: grisselige Bilder und pulsierende Farbverfremdungen brechen mit herkömmlichem Realismus und tauchen in Hansens psychischen Ausnahmezustand ein. Zugleich bleibt Oppenheim in moralischen Urteilen zurückhaltend, interessiert sich mehr für das äußere Spektakel als für die innere Entwicklung vieler Figuren. Die Darstellung ist oft beklemmend, mitunter makaber und kurzweilig mitreißend, wirkt aber gelegentlich auch erzählerisch eintönig und leer.
Quelle: Filmdienst
