Primetime

Primetime — ein Film über Öffentlichkeit und Inszenierung

Der medienkritische Thriller Primetime von Lance Oppenheim verknüpft die Geschichte der US-Reality-Sendung To Catch a Predator mit dem persönlichen Zerfall ihres bekanntesten Moderators. In der Darstellung von Robert Pattinson wird Chris Hansen zum Mann der kalten Theatralik: Er stellt in der Sendung erwachsene Männer bloß, die sich online mit Minderjährigen verabredet haben. Die Serie lief von 2004 bis 2007 und lebt in Oppenheims Film vom Moment der öffentlichen Demütigung, den Hansen sadistisch auskostet.

Figuren und Darbietungen

Gegenüber Hansen steht der junge Dan (Skyler Gisondo), ein unerfahrener Lockvogel, der sich an die Konfrontation mit realem Missbrauch erst gewöhnen muss. Matthew Maher spielt einen Chat-Profi, der die Kontakte mobilisiert, und Merritt Wever ist als Produzentin Andie zu sehen, deren säuselnde Art ein Spannungsverhältnis zwischen Gesagtem und Gemeintem offenbart. Oppenheim zeichnet Hansen als zunehmend in seine eigene Welt Abdriftenden, der sich selbst als moralischen Hüter stilisiert und dabei von Kontrollsucht und Selbstüberhöhung getrieben wird.

Ästhetik und Kritik

Der Film nutzt eine eigenwillige Bildästhetik: grisselige Bilder und pulsierende Farbverfremdungen brechen mit herkömmlichem Realismus und tauchen in Hansens psychischen Ausnahmezustand ein. Zugleich bleibt Oppenheim in moralischen Urteilen zurückhaltend, interessiert sich mehr für das äußere Spektakel als für die innere Entwicklung vieler Figuren. Die Darstellung ist oft beklemmend, mitunter makaber und kurzweilig mitreißend, wirkt aber gelegentlich auch erzählerisch eintönig und leer.


Quelle: Filmdienst

Ähnliche Beiträge

  • That's Why The Lady Is A Champ

    Die Filmbiografie „That’s Why The Lady Is A Champ“ schildert den Aufstieg und Fall der US-Boxerin Christy Martin in den 1990er-Jahren. Regisseur David Michôd begleitet die Protagonistin vom College-Basketball über das heruntergekommene Bergbaudorf Itaman bis in den Ring. In der Hauptrolle spielt Sydney Sweeney, Ben Foster verkörpert den späteren Ehemann und Trainer David Martin, Chad…

  • Nur ein kleines bisschen Glück

    Film und Ausgangslage Nur ein kleines bisschen Glück ist eine satirische Kriegs‑Komödie aus Frankreich (2026) mit einer Länge von 104 Minuten. Im Mittelpunkt steht Jean Chevalin (Benoît Poelvoorde), der 1940 nach nur einem Tag in der französischen Armee desertiert und sich ausgerechnet als Jude ausgibt, um leichter in den Süden des Landes zu fliehen. Seine…

  • Bitteres Fest

    Bitteres Fest ist eine Tragikomödie aus Spanien (2026, 112 Minuten), die zwei parallel erzählte Geschichten über Trauer, Kreativität und Erinnerung verwebt. Der Film spielt in zwei Zeitebenen und nähert sich dem Thema sowohl intim als auch metafilmisch. Handlung Im ersten Erzählstrang steht Elsa im Mittelpunkt, eine auf Werbevideos spezialisierte Filmemacherin, gespielt von Bárbara Lennie. Ein…

  • Und es war Sommer – Dieter Thomas Kuhn & Band

    Film und Konzept Und es war Sommer – Dieter Thomas Kuhn & Band ist eine Musikdokumentation (Deutschland 2025, 95 Minuten). Regisseurin Juliane Sauter, Jahrgang 1995, begleitete Dieter Thomas Kuhn und seine Band 2024 auf einer Open-Air-Tour und verbindet aktuelle Konzertimpressionen mit reichlich Archivmaterial. Sequenzen sind meist nicht chronologisch oder datiert, sodass der Film dem Publikum…

  • Kalter Hund

    Kalter Hund Kalter Hund ist ein deutsches Drama (2026) von Pauline Roenneberg mit einer Laufzeit von 130 Minuten. Der Film, der in der bayerischen Provinz spielt, verbindet laut Beschreibung Elemente à la Chabrol und Haneke und schildert das Auseinanderbrechen einer bürgerlichen Fassade nach dem Tod des Patriarchen. Handlung und Themen Im Zentrum steht die von…

  • Ghost School

    Ghost School — Kurzinfo Ghost School ist ein Drama aus Pakistan/Deutschland/Saudi-Arabien (2025), Laufzeit 88 Minuten. Der Debüt-Spielfilm von Seemab Gul erzählt von der zehnjährigen Rabia, deren Schule unvermittelt geschlossen wird, weil man sagt, ein Lehrer sei von einem Jinn besessen. Handlung und Inszenierung Rabia, gespielt von Nazualiya Arsalan, geht beharrlich der Frage nach, warum die…