Wohin mit mir?
Wohin mit mir? (Dokumentarfilm, Deutschland 2026, 82 Minuten) begleitet zwei unbegleitete minderjährige Geflüchtete in einer Wohngruppe in Mönchengladbach. Majd und Shahfaisal schwanken zwischen Hoffen und Mutlosigkeit: Beide haben subsidiären Schutz, sind aber mit der Volljährigkeit von Abschiebung bedroht.
Zwischen Alltag und Entscheidung
Regelmäßig hören die Jugendlichen den Satz: „Du kannst nichts machen“ — ein Hinweis auf die begrenzten Handlungsspielräume gegenüber Entscheidungen über ihren Aufenthaltsstatus. Zugleich sind Erwartungen an ihre Integration hoch: Deutsch lernen, Schulabschluss, Arbeit und im besten Fall Geld für einen Fachanwalt aufbringen. Im Alltag versuchen sie trotzdem, Jugendliche zu sein: Fußball, Bowling und Freizeitmomente verschaffen kurze Auszeiten vom Druck.
Erzwungene Selbstbeweise
Im Film zeigt sich, wie Forderungen nach Nachweisen von Fluchtgründen und Integration den Alltag prägen. Shahfaisal, der nach der Machtübernahme der Taliban aus Afghanistan floh, hat einen in Bulgarien registrierten Fingerabdruck, der seine Bleibeperspektive gefährdet. Majd stammt aus Syrien und floh vor dem Assad-Regime. Bei Anhörungen müssen Verfolgungsgründe oft glaubhaft gemacht werden, obwohl sie selten vollständig dokumentierbar sind.
Filmischer Blick und Folgen
Marvin Menné, Absolvent der Hochschule Mainz, begleitete die beiden ein halbes Jahr mit der Kamera. Seine Beobachtung ist eine Serie von Momentaufnahmen: Gespräche mit Sozialarbeiterinnen, Deutschunterricht (der Beispielsatz des Lehrers lautet „Du sollst arbeiten“), Jobben und familiäre Forderungen. Menné setzt dem entmenschlichenden Diskurs das Porträt zweier Menschen entgegen. Texteinblendungen am Ende machen deutlich: Monate nach den Dreharbeiten leben Majd und Shahfaisal weiterhin in völliger Ungewissheit.
Quelle: Filmdienst
